Kolpingjugend Diözesanverband Limburg

Erklärung des BDKJ-Diözesanvorstandes Speyer zur aktuellen politischen Situation in Deutschland

Meldung vom 04.12.15

Wir von der Kolpingjugend DV Limburg schliessen uns der Erklärung des BDKJ Speyer an: Eine langfristige Friedenssicherung ist durch militärisches Eingreifen nicht möglich.

Erklärung des BDKJ-Diözesanvorstandes Speyer zur aktuellen politischen Situation in Deutschland

Mit Sorge sehen wir den geplanten Einsatz der Bundeswehr gegen die Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS). Wir sind der Überzeugung, dass Friedenssicherung durch militärisches Eingreifen nur bedingt erreicht werden kann. Dies zeigt sich im Irak, in Afghanistan und in vielen anderen Regionen der Welt, in denen trotz aller militärischer Interventionen nach wie vor kein Frieden eingekehrt ist.

Daher gilt für uns: Militärische Interventionen müssen immer der absolute Ausnahmefall bleiben!1 Einem Einsatz der Bundeswehr ist dementsprechend nur zuzustimmen, wenn alle anderen Möglichkeiten der Konfliktbewältigung ausgeschöpft wurden und zudem der Rahmen des Einsatzes scharf abgegrenzt ist. Ein Einsatz darf einzig und allein das Ziel haben, die Bevölkerung vor weiteren Verletzungen der Menschenrechte zu bewahren und zu schützen. Weiterhin ist bereits im Vorfeld zu klären, welche Maßnahmen (kurz-, mittel- und langfristige) zum Schutz, zum Wiederaufbau und zur Hilfe für die notleidende Bevölkerung getroffen werden müssen.2

Wir verurteilen in aller Schärfe und Deutlichkeit jede Art von Terror und Gewalt, die Menschen angetan wird. Wir lehnen jede Art von Fundamentalismus ab und fordern einen breiten gesellschaftlichen Diskurs über religiöse, politische und wirtschaftliche Gründe der Gewalteskalation. Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit sind uns ein hohes Gut. Wir sind fest davon überzeugt, dass Frieden dauerhaft nur in stabilen Staaten möglich ist, welche die Menschenrechte wahren. Dem Streben des IS nach weltweiter Ausbreitung einer menschenverachtenden Gesellschaftsform stellen wir uns entgegen.

Gleichwohl sind wir der Überzeugung, dass jeglicher Einsatz gegen den IS nur dann dauerhaft erfolgreich sein wird, wenn nicht Machtinteressen einzelner Staaten, sondern ein starkes, werbendes Eintreten für freiheitliche Gesellschaften sich durchsetzt. Letztlich wird das nur durch beständigen Diskurs der Weltgemeinschaft und der Religionen möglich werden. Wir sind uns sicher, dass die gemeinsame Sehnsucht nach Frieden die Dynamik des Hasses überwindet. Wir leiden mit allen Menschen, gleich ob Christen oder Muslime, die dem Terror ausgesetzt sind. Wir möchten unseren Teil dazu beitragen,deutliche Zeichen für ein friedvolles und wertschätzendes Miteinander der Kulturen und Religionen zu setzen. Wir sagen deutlich: Wer sich für Frieden einsetzt, ist uns Bruder und Schwester. Wir schätzen den Glauben unserer muslimischen Freundinnen und Freunde und erfahren auch ihre Wertschätzung uns gegenüber. Wir trauern gemeinsam um alle Opfer von Terrorismus.

Wir stellen fest: Fremdenfeindliche Positionen machen sich in der Mitte unserer Gesellschaft breit. Dagegen beziehen wir entschieden Position.Wir sprechen uns für eine gelebte Willkommenskultur aus und stellen uns gegen pauschale Verdächtigungen gegenüber Geflüchteten. Was uns in dieser Frage leitet, ist unser wichtigstes Gebot: "Liebe Gott! Liebe deinen Nächsten!" (Mt 22). Unser Grundgesetz überträgt diese Überzeugung in seine oberste Rechtsnorm: "Die Würde des Menschen ist unantastbar" (Art. 1 GG). Dem haben sich sowohl innen- als auch außenpolitische Bestrebungen gleich welcher Art unterzuordnen.Unsere Position ist klar: Wir stehen an der Seite derer, die Frieden möglich machen. Daher appellieren wir mit Nachdruck an die Entscheidungsträger_innen in Politik und Gesellschaft: Zeigt Stärke im Miteinander!


Carsten Leinhäuser, Heike Vogt, Lena Schmidt

BDKJ-Diözesanvorstand Speyer

1 Vgl. "Frieden fördern und gestalten". Beschluss des BDKJ, 2002:http://www.bdkj.de/fileadmin/redakteur/Dokumente/Beschluesse/7/7-10_Frieden_foerdern.pdf
2. Ebd


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